Exkursion zur Gymnicher Mühle

Schülerinnen und Schüler entdecken die Erft als Lebensraum und Wirtschaftsfaktor

 

Knapp 30 Grad, viel Wasser und Schülerinnen und Schüler in Gummistiefeln in der Erft bei der Gymnicher Mühle in Erftstadt. So ließe sich der erste Eindruck von der Kursfahrt Biologie der Jahrgangsstufe zwölf des Wirtschaftsgymnasiums am ehesten beschreiben, doch dahinter steckt noch einiges mehr.

 

 

Deutschland ist als Wirtschaftsstandort für den Transport von Gütern und für weitere wirtschaftliche Zwecke stark auf die Ressource Wasser angewiesen. Für die Schifffahrt wurden in der Vergangenheit große Kanäle ausgehoben und auch heute noch werden Schifffahrtsrinnen in stark befahrenen Flüssen weiter ausgehoben. Doch auch kleinere Gewässer, wie die Erft, wurden verändert, um sie besser wirtschaftlich nutzen zu können. Man ist sich heute bewusst, dass damit auch eine Veränderung der Pflanzen- und Tierwelt einhergeht. Doch die Erft erfährt im Moment in Teilen einen weiteren Wandel, nämlich wieder zurück zu ihrem ursprünglichen Aussehen. Dies wird genaustens von Wissenschaftlern untersucht und eben auch während der Exkursion von den Schülerinnen und Schülern des BKVGS.

 

 

Dabei haben die Kursmitglieder vollsten Körpereinsatz gezeigt. Zunächst ging es für einen Kurs direkt in die Erft. Mit Gummistiefeln und Fangnetzen ausgestattet wurde eine Vielfalt an heimischen Wasserinsekten gefangen. Diese wurden im Anschluss unter dem Binokular, einem Gerät zur Vergrößerung, nach ihrer Art bestimmt. Das ist notwendig, weil das Vorhandensein bestimmter Insektenarten Auskunft darüber gibt, wie sauber das Gewässer ist. Sind Gewässer stark mit Schadstoffen belastet, leben dort weniger Fische und Insekten und somit geht die Vielfalt an Lebewesen am und im Gewässer verloren, da nur noch wenige Arten mit den vorhandenen Lebensbedingungen klarkommen. Doch die Tierwelt an der Erft lässt hoffen, denn über die letzten Jahre nimmt dort die Vielfalt stetig wieder zu, wie die Schülerinnen und Schüler mit eigenen Augen unter dem Binokular feststellen konnten. „Wir haben Larven der Gebänderten Prachtlibelle gefangen“, wie ein Schüler erfreut feststellte. Diese Art scheint sich an der Erft besonders wohl zu fühlen, was man an den zahlreichen metallisch-blauen Libellen sehen kann, die sich blitzschnell über das Wasser bewegen.

 


Insekten fühlen sich im Fließgewässer dort wohl, wo eine langsame Strömungsgeschwindigkeit vorherrscht. Ist ein Gewässer begradigt, fließt das Wasser besonders schnell, bei einem kurvenreichen Gewässer fließt es in den Kurven sehr langsam. An diesen Stellen siedeln sich die meisten Insekten an. Wenn zusätzlich noch ein natürliches Ufer mit viel Pflanzenüberwuchs vorhanden ist, gibt es genug Versteckmöglichkeiten für die Tiere. Um dies an der Erft feststellen zu können, ging es direkt ins Gelände. Hierbei zeigte sich, dass die Erft zwar über einen guten Pflanzenbewuchs mit vielen Bäumen am Ufer verfügt, jedoch ist das Flussbett begradigt. 

 

Das sind alles interessante Erkenntnisse, doch zurecht fragte ein Mitarbeiter der Gymnicher Mühle, was das Aussehen und die Wasserqualität der Erft mit jedem einzelnen der Kursteilnehmer zu tun haben. Auf den ersten Blick eher nichts, wie die Kursmitglieder feststellten, doch bei genauer Betrachtung eben doch sehr viel. Wasser wird in einem globalen Kreislauf ausgetauscht. Das Wasser, das in der Erft fließt, könnte irgendwann das Trinkwasser von einer Person in Amerika sein und natürlich auch irgendwann wieder durch die Erft fließen. Nicht alle Schadstoffe, wie zum Beispiel Hormone, können aus einem Wasser geklärt werden. Besondere Aufmerksamkeit bedarf es bei dem Umgang mit Mikroplastik. „Bereits jetzt nimmt jeder, der heute hier anwesend ist, pro Woche fünf Gramm Mikroplastik über die Nahrung auf“, betonte der Mitarbeiter der Gymnicher Mühle. Für die Ressource Wasser tragen wir demnach alle eine Verantwortung. 

 


R. Kautz

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