Europäische Profilierung im System Europaschule

Europa als geographischer Raum präsentiert sich im Zeitverlauf mit fließenden geographischen, kulturellen, sprachlichen und politischen Grenzen. Bei den Menschen löst dies die Frage aus, wie schnell und inwieweit sich bei ihnen eine "europäische Identität" bilden kann und muss. Dafür gibt es keine einfache Formel. Unbestritten ist jedoch: Spätestens mit dem Schuleintritt muss der junge Mensch über die privaten sowie beruflichen Chancen und Perspektiven informiert werden. Dabei muss die Schule neue Konzepte entwickeln, in denen eine interkulturelle Kompetenzvermittlung im Zentrum der Betrachtung liegt.

Das Berufskolleg Volksgartenstraße hat es sich zum Ziel gesetzt, seinen Schülern interkulturelle Kompetenzen zu vermitteln. Diese werden zweifelsohne in einer sich verändernden europäischen Wirtschaftswelt zunehmend benötigt. Dabei stellt sich die Frage, welche Kompetenzen es sind und wie sich kompetenzbasierende Standards im beruflichen Bildungswesen realisieren lassen. Die Lehrerinnen und Lehrer am Berufskolleg Volksgartenstraße wissen, dass sich eine europäisch differenzierte Profilierung nicht anordnen lässt, sondern vielmehr von und mit den Betroffenen vor Ort erarbeitet werden muss. Hilfreich hierbei ist das seit 1999 hier im Hause definierte Schulprofil, das sich in Schwerpunktmaßnahmen und Strukturentscheidungen in Richtung eines Profils mit kaufmännischer Ausprägung der Informations- und Telekommunikationstechnologie sowie der Fremdsprachen entwickelt und bewährt hat. Den beiden Bildungsinhalten kommt in einer künftigen Europaschule allerhöchste Bedeutung zu. Sie sind ist als fachlich/organisatorische Voraussetzung für den Erwerb von interkulturellen Kompetenzen anzusehen.

Aber selbst die besten schulischen Organisationsstrukturen können nicht als Garant für eine funktionstüchtige Europaschule angesehen werden. Eine interkulturelle Kompetenzvermittlung zeigt die wirtschaftlichen Verflechtungen und Abhängigkeiten auf, berücksichtigt die Belange der Ressourcen- und des Umweltschutzes und lebt demzufolge von den eigenen Projekten und den Aktivitäten der Schüler. Diese lernen europäisch zu denken und finden ihre europäische Identität, was auch im hohen Maße für die Migranten oder deutschen Schüler mit Migrationshintergrund hier an der Schule gefordert werden muss. Junge europäische Bürger sollen sich kennen lernen und dabei mehr über den Nachbarn erfahren. Dazu muss man sowohl Migranten sprachlich fördern und kulturell fortbilden wie auch mit europäischen Partnerschulen kooperieren, sich austauschen und neue Ideen einbringen. Erst dann wird eine Schule zur Europaschule und zum Garant interkultureller Kompetenzvermittlung. Das Berufskolleg Volksgartenstraße als künftige Europaschule hat somit die Aufgabe, den jungen Menschen ein Bewusstsein europäischer Zusammengehörigkeit zu vermitteln, nicht zuletzt weil seit Jahren europäische Gesetze und Regelungen wirksam sind und viele neue europäische Entscheidungen noch an- bzw. ausstehen.

Das Berufskolleg Volksgartenstraße pflegt den Gedanken der Europaschule schon mehr als ein Jahrzehnt und setzt dabei die Idee einer europäisch orientierten Ausbildung praxisnah um. Belegt sei dies durch die konsequente Nutzung europäischer Bildungsprogramme wie z.B. COMENIUS oder SOKRATES in Verbindung mit LINGUA-Projekten sowie Programmen zur Mobilität, bei denen unsere Schüler auf ihre europäischen Pendants treffen (zu den Aktivitäten des Berufskollegs Volksgartenstraße vgl. Vogt/Hoffmann: "Berufskollegs mit europäischer Dimension", in den Zeitschriften Wirtschaft und Erziehung, 10/2000 und SchulVerwaltung NRW, 3/2001).

Europäische Bildungsprogramme, verbunden mit einer europäisch akzentuierten Didaktik der Wirtschaftswissenschaften erfordern in der Schule beachtliches Engagement, Flexibilität und die Hinwendung zur konkreten Zielfindung.

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