Zahnmedizinische Fachangestellte

Am 1. August 2001 ist die neue Ausbildungsverordnung für den staatlich anerkannten Ausbildungsberuf "Zahnmedizinische(r) Fachangestellte(r)" in Kraft getreten. (Zur Erleichterung des Leseflusses wird im Folgenden auf die Darstellung der männlichen Form verzichtet, zumal die überwiegende Mehrheit der Auszubildenden weiblich ist.)
Die praktische Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten erfolgt in der Praxis eines niedergelassenen Zahnarztes, in kieferorthopädischen, oral- oder kieferchirurgischen Praxen oder in einer Zahnklinik, die theoretische Ausbildung am Berufskolleg Volksgartenstraße.
Für den Beruf der Zahnmedizinischen Fachangestellten interessieren sich vorwiegend Schülerinnen mit einem Abschluss der Klasse 10 einer allgemeinbildenden Schule, aber auch Schülerinnen mit Fachhochschulreife oder allgemeiner Hochschulreife.

1 Betätigungsfelder

Zahnmedizinische Fachangestellte sind überwiegend in Zahnarztpraxen, in kieferorthopädischen, in oral- und kieferchirurgischen Praxen sowie in Zahnkliniken tätig. Sie werden auch im öffentlichen Gesundheitswesen, in der Dentalindustrie, bei Krankenkassen und in Rechenzentren eingesetzt.

2 Aufgaben und Anforderungen

Ihre Tätigkeitsbereiche liegen in der Unterstützung des Zahnarztes bei der Behandlung, Betreuung von Patienten, Pflege und Wartung der zahnärztlichen Praxiseinrichtung, in der Prophylaxe sowie der Praxisorganisation und -verwaltung, wozu auch die Durchführung sämtlicher Abrechnungen gehört. Insbesondere hilft sie dem Zahnarzt bei der Gesundheitsaufklärung, z. B. zur Vorbeugung von Karies und Erkrankungen des Zahnhalteapparates. Sie unterweist Patienten in der Mundhygiene, Handhabung von Zahnersatz und im Verhalten nach zahnärztlichen Eingriffen. Weiter umfasst das Aufgabengebiet die Hilfeleistung bei der psychologischen Betreuung im Rahmen der zahnärztlichen Behandlung, die Instrumentierung bei der Behandlung, Materialverwaltung, Instrumentenpflege, Herstellung der Röntgenaufnahmen, Hilfestellung bei Notfällen, das Unterstützen im Zahnlabor, z.B. Herstellen von Modellen, die Abrechnung mit verschiedenen Krankenkassen, Terminplanung, den Schriftverkehr und die Karteiführung.

Um diese Aufgaben erfolgreich erfüllen zu können, sollte eine Zahnmedizinische Fachangestellte über folgende persönliche Qualifikationen verfügen:
  • Geschick im Umgang mit Menschen bei ständig wechselnden Kontakten
  • Interesse an medizinischen Sachverhalten
  • Einfühlungsvermögen und Teamfähigkeit
  • Interesse an Verwaltungsarbeiten, organisierender und planender Tätigkeit
  • gute schriftliche und mündliche Ausdrucksfähigkeit
  • praktische Geschicklichkeit
  • Verschwiegenheit und Taktgefühl
  • Belastbarkeit
  • sorgfältige, verantwortungsbewusste und zuverlässige Arbeitsweise
  • gepflegtes Erscheinungsbild
  • Hygienebewusstsein
  • Befähigung sowohl zu selbstständigem Arbeiten als auch zu zuarbeitender Tätigkeit.

3 Dauer der Ausbildung

Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre. Auszubildende, die am Ende des zweiten Ausbildungsjahres in den Fächern Zahnmedizinische Assistenz, Leistungsabrechnung, Rechts- und Wirtschaftsbeziehung und Praxismanagement einen Notendurchschnitt von 2,2 erreicht haben, können mit Zustimmung des Ausbildenden um ein halbes Jahr verkürzen. Eine Mindestdauer der Ausbildungszeit von 2 Jahren darf nicht unterschritten werden.

4 Praktische Ausbildung

Für die praktische Ausbildung in der Zahnarztpraxis umfasst das Ausbildungsberufsbild folgende Kenntnisse und Fertigkeiten:
  • Stellung der Zahnarztpraxis im Gesundheitswesen
  • Organisation, Aufgaben, Funktionsbereiche und Ausstattung des Ausbildungsbetriebs
  • Gesetzliche und vertragliche Regelungen der zahnmedizinischen Versorgung
  • Berufsausbildung, Arbeits- und Tarifrecht
  • Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit
  • Umweltschutz
  • Durchführen von Hygienemaßnahmen
    • Infektionskrankheiten
    • Maßnahmen der Arbeits- und Praxishygiene
  • Arbeitsorganisation, Qualitätsmanagement
    • Arbeiten im Team
    • Qualitäts- und Zeitmanagement
  • Kommunikation, Information und Datenschutz
    • Kommunikationsformen und -methoden
    • Verhalten in Konfliktsituationen
    • Informations- und Kommunikationssysteme
    • Datenschutz und Datensicherheit
  • Patientenbetreuung
  • Grundlagen der Prophylaxe
  • Durchführung begleitender Maßnahmen bei der Diagnostik und Therapie unter Anleitung und Aufsicht des Zahnarztes
    • Assistenz bei der zahnärztlichen Behandlung
    • Röntgen und Strahlenschutz
  • Hilfeleistungen bei Zwischenfällen und Unfällen
  • Praxisorganisation und -verwaltung
    • Praxisabläufe
    • Verwaltungsarbeiten
    • Rechnungswesen
    • Materialbeschaffung und -verwaltung
  • Abrechnung von Leistungen

5 Theoretische Ausbildung

Die Auszubildenden besuchen an zwei Tagen pro Woche die Berufsschule und werden in den nachstehenden Fächern unterrichtet:
Stundentafel (Beispiel) Unterrichtsstunden pro Woche
  1. Jahr 2. Jahr 3. Jahr
I. Berufsbezogener Lernbereich
Zahnmedizinische Assistenz 2 2 2
Leistungsabrechnung 2 2 2
Rechts- und Wirtschaftsbeziehungen 2 2 2
Praxismanagement 1 1 1
Datenverarbeitung 1    
Englisch   1 1
II. Differenzierungsbereich
Röntgenkunde     1
Kaufm. Rechnen   1  
GOZ   1  
Hygiene 1    
III. Berufsübergreifender Lernbereich
Deutsch 1 1  
Religion 1    
Sport / Gesundheitsförderung 1    
Politik / Gesellschaftslehre 1    
Insgesamt -maximal - 12 9 9
Zahnmedizinische(r) Fachangestellte(r)
Unterrichtsfächer, Lernfelder und Unterrichtsstunden (gültig ab 17.08.2001)
Unterrichtsfächer Lernfelder
Nr. Lernfeldinhalte Std. max.
1. Jahr
Zahnmedizinische Assistenz 3
4
Praxishygiene organisieren
Kariestherapie begleiten
120
Leistungsabrechnung 5 Endodontische Behandlungen begleiten 40
Rechts- und
Wirtschaftsbeziehungen
1 Im Beruf und Gesundheitswesen orientieren 60
Praxismanagement 2 Patienten empfangen und begleiten 60
Fremdsprache     0
2. Jahr
Zahnmedizinische Assistenz 7 Zwischenfällen vorbeugen und in Notsituationen Hilfe leisten 20-40
Leistungsabrechnung 8 Chirurgische Behandlungen begleiten 60
Rechts- und
Wirtschaftsbeziehungen
9 Waren beschaffen und verwalten 120
Praxismanagement 6 Praxisabläufe organisieren 40-60
Fremdsprache 6
7
Praxisabläufe organisieren
Zwischenfällen vorbeugen und in Notsituationen Hilfe leisten
0-40
3. Jahr
Zahnmedizinische Assistenz 11 Prophylaxemaßnahmen planen und durchführen 80
Leistungsabrechnung 10 Behandlungen von Erkrankungen der Mundhöhle und des Zahnhalteapparates begleiten;
Röntgen- und Strahlenschutzmaßnahmen vorbereiten
80
Rechts- und
Wirtschaftsbeziehungen
12 Prothetische Behandlungen begleiten 80
Praxismanagement 13 Praxisprozesse mitgestalten 40
Fremdsprache     0-40

6 Prüfungen

Zwischenprüfung
Im zweiten Ausbildungsjahr müssen alle Auszubildenden an einer schriftlichen Zwischenprüfung teilnehmen. Die Prüfungsdauer beträgt 120 Minuten.
Die Zwischenprüfung soll die Ausbildenden und die Auszubildenden über den jeweiligen Ausbildungs- bzw. Leistungsstand informieren, um gegebenenfalls korrigierend auf die weitere Ausbildung einwirken zu können.
Die Teilnahme an der Zwischenprüfung ist Zulassungsvoraussetzung für die Teilnahme an der Abschlussprüfung.

Abschlussprüfung
Die Prüfung setzt sich aus einem schriftlichen und einem praktischen Teil zusammen.
Der schriftliche Prüfungsteil besteht aus den Bereichen Behandlungsassistenz, Praxisorganisation und -verwaltung, Abrechnungswesen sowie Wirtschafts- und Sozialkunde.
Im praktischen Teil der Prüfung sollen die Auszubildenden in 60 Minuten eine komplexe Prüfungsaufgabe bearbeiten und in einem Prüfungsgespräch erläutern.
Über die bestandene Prüfung erhalten die Prüflinge von der Zahnärztekammer Nordrhein ein Zeugnis. Darüber hinaus erhalten die Auszubildenden von der Berufsschule ein Abschlusszeugnis bzw. ein Abgangszeugnis.
Eine nicht bestandene Prüfung kann zweimal wiederholt werden.

7 Abschlüsse

Der Berufsschulabschluss wird unabhängig vom Berufsabschluss erworben, wenn die Leistungen den Anforderungen entsprechen.


Auszubildende erwerben mit dem Berufsschulabschluss die Fachoberschulreife, wenn sie

  1. eine Berufsschulabschlussnote von mindestens 3,0 erreichen,
  2. die Berufsabschlussprüfung bestehen und
  3. die notwendigen Englischkenntnisse nachweisen.

Schülerinnen und Schüler, die neben den vorgenannten Bedingungen eine Berufsschulabschlussnote von mindestens 2,5 erreichen, erwerben darüber hinaus die Berechtigung zum Besuch der gymnasialen Oberstufe.

8 Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten

Da die Zahnmedizinischen Fachangestellten stets über ein aktuelles Fachwissen verfügen müssen, ist eine kontinuierliche Fortbildung nötig. Darüber hinaus bieten die Zahnärztekammern anerkannte Weiterbildungsmöglichkeiten an, z. B. zur:
  • Zahnmedizinischen Prophylaxeassistentin (ZMP)
  • Zahnmedizinischen Fachassistentin (ZMF)
  • Zahnmedizinischen Verwaltungsassistentin (ZMV)
  • Dentalhygienikerin (DH)
Nach bestandener Fortbildung sind diese Mitarbeiterinnen befähigt zur Mitwirkung bei der Ausbildung der Auszubildenden, zur Übernahme der gesamten Praxisverwaltung und Praxisorganisation sowie z. B. zum/zur selbstständigen
  • Herstellung von Röntgenaufnahmen,
  • Entfernung von weichen und harten sowie klinisch erreichbaren subgingivalen Belägen,
  • Durchführung von Füllungspolituren,
  • Legen und Entfernen provisorischer Verschlüsse,
  • Herstellung von provisorischen Kronen und Brücken,
  • Erstellen von Plaque-Indizes,
  • Versiegeln von kariesfreien Fissuren,
  • Demonstration und praktischen Übungen zur Mundhygiene.

9 Nützliche Links

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