Rechtsanwaltsfachangestellte

1 Betätigungsfelder

Der Erwerb von Fähigkeiten und Kenntnissen in wichtigen Rechtsfeldern ermöglicht es, nach erfolgreichem Abschluss nicht nur in Anwaltskanzleien weiter erfolgreich tätig zu sein, sondern auch in Rechtsabteilungen von Banken, Versicherungen und Großunternehmen einen interessanten Arbeitsplatz zu finden.

2 Aufgaben und Anforderungen

Die Arbeit der Rechtsanwaltsfachangestellten bezieht sich auf alle Arbeitsbereiche einer Rechtsanwaltskanzlei. Rechtsanwälte verlassen sich darauf, dass z.B. alle Akten korrekt geführt und Termine eingehalten werden. Damit es nicht zu Schadenersatzansprüchen kommt, erledigen Sie ihre Arbeiten mit großer Sorgfalt. Sie bearbeiten und erledigen den Schriftverkehr, legen Akten an und führen sie, vereinbaren Termine mit Mandanten, achten auf die Einhaltung der Fristen, berechnen Honorarkosten, übernehmen einfache Aufgaben der Buchhaltung, führen Mahn- und Zwangsvollstreckungsverfahren durch und arbeiten in familien- und erbrechtlichen Angelegenheit mit.

3 Dauer der Ausbildung und Verkürzungsmöglichkeiten

Die Dauer der Ausbildung beträgt in der Regel 3 Jahre.
Bei Nachweis der Hochschul- bzw. Fachhochschulreife kann bei guten schulischen Leistungen eine Verkürzung der Ausbildungsdauer auf 2,5 Jahre beantragt werden. Der Antrag auf Verkürzung der Ausbildungszeit ist vom Arbeitgeber bei der Rechtsanwaltskammer Düsseldorf (Prüfungsordnung) zu stellen.

4 Praktische Ausbildung

Rechtsgrundlage für die betriebliche Qualifizierung ist die "Verordnung über die Berufsausbildungen
zum Rechtsanwaltsfachangestellten und zur Rechtsanwaltsfachangestellten,
zum Notarfachangestellten und zur Notarfachangestellten,
zum Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten und zur Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten sowie
zum Patentanwaltsfachangestellten und zur Patentanwaltsfachangestellten
(ReNoPat-Ausbildungsverordnung - ReNoPatAusbV)"
vom 29. August 2014.

Die Auszubildenden erlangen innerhalb der Ausbildungszeit u.a. Kenntnisse in folgenden Bereichen:
  • Stellung des Rechtsanwalts
  • Büropraxis und –organisation
  • Aufgaben und Aufbau der Rechtspflege
  • Fallbezogene Rechtsanwendung im bürgerlichen Recht und Handelsrecht sowie im
  • Arbeits- und Sozialrecht
  • Fallbezogene Rechtsanwendung in Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit
  • Mitarbeit im gerichtlichen Mahnverfahren
  • Bearbeitung von Zwangsvollstreckungs- und Insolvenzangelegenheiten
  • Erstellen von Vergütungsrechnungen
  • Grundlagen der besonderen Gerichtszweige

5 Theoretische Ausbildung

Rechtsgrundlage für die Qualifizierung am Lernort Berufsschule ist - neben dem Schulgesetz des Landes NRW, das u.a. die Berufsschulpflicht regelt, sowie der Ausbildungs- und Prüfungsordnung Berufskolleg (APO-BK) - vor allem der "vorläufige Bildungsplan Rechtsanwaltsfachangestellte/Rechtsanwaltsfachangestellter, Notarfachangestellte/Notarfachangestellter,
Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte/Rechtsanwalts- und Notarfachangestellter, Patentanwaltsfachangestellte/Patentanwaltsfachangestellter"
für Fachklassen des dualen Systems der Berufsausbildung. 

Gemäß der Neuordnung von 2015 orientiert sich der Unterricht im berufsbezogenen Lernbereich nicht mehr an einer Fachsystematik (z.B. Rechtskunde, Allgemeine Wirtschaftslehre, Rechnungswesen etc.), sondern an bedeutsamen Geschäftsvorgängen beruflicher Handlungsfelder. Dementsprechend ist der Unterricht in Lernfelder untergliedert (z.B. "Ansprüche außergerichtlich geltend machen", "Arbeitsabläufe im Team organisieren", "Rechtsbehelfs- und Rechtsmittelverfahren begleiten", "In familien- und erbrechtlichen Angelegenheiten tätig werden").

Verwandte (affine) Lernfelder wiederum sind zu den drei Bündelungsfächern
  • Betriebsprozesse,
  • Wirtschafts- und Sozialprozesse und
  • Anwaltliche Geschäftsprozesse
zusammengefasst.



1. Lernfeldübersicht und Zuordnung zu den Bündelungsfächern


Lernfeldübersicht und Zuordnung zu den Bündelungsfächern



2. Bündelungs- und ergänzende Unterrichtsfächer

Stundentafel (Beispiel) Unterrichtsstunden
 

1. Jahr

2. Jahr

3. Jahr

I. Berufsbezogener Lernbereich
Betriebsprozesse 120 40 -
Wirtschafts- und Sozialprozesse 200 80 -
Anwaltliche Prozesse - 160 280
Fremdsprachliche Kommunikation: 0-40 0-80 0-80
Summe 320-360 280-360 280-360
II. Differenzierungsbereich
Finanzdienstleistungen Die Stundentafeln der APO-BK,
Anlage A 1.1, A 1.2, A 1.3 und A 1.4,
gelten entsprechend
III. Berufsübergreifender Lernbereich
Deutsch/Kommunikation Die Stundentafeln der APO-BK,
Anlage A 1.1, A 1.2, A 1.3 und A 1.4,
gelten entsprechend
Religionslehre
Sport/Gesundheitsförderung
Politik/gesellschaftslehre

6 Fächer und Organisation der Zwischen- und Abschlussprüfungen

Zwischenprüfung:
Im ersten Halbjahr des 2. Ausbildungsjahres erfolgt die Zwischenprüfung.
Die Zwischenprüfung findet in den Prüfungsbereichen:
  1. Rechtsanwendung (60 Minuten) sowie
  2. Kommunikation und Büroorganisation (60 Minuten)
mit Hilfe schriftlich zu bearbeitender fallbezogener Aufgaben statt.  

Abschlussprüfung:
Am Ende der Ausbildungszeit muss vor der Rechtsanwaltskammer eine Abschlussprüfung abgelegt werden. Die Abschlussprüfung gliedert sich in einen schriftlichen und einen mündlichen Teil.
Der schriftliche Prüfungsteil ist in den Prüfungsbereichen
  1. Geschäfts- und Leistungsprozesse (60 Minuten),
  2. Rechtsanwendung im Rechtsanwaltsbereich (150 Minuten),
  3. Vergütung und Kosten (90 Minuten) sowie
  4. Wirtschafts- und Sozialkunde (60 Minuten)
abzuhalten.
Im mündlichen Prüfungsteil wird der Prüfungsbereich Mandanten- und/oder Beteiligtenbetreuung im Rahmen eines fallbezogenen Fachgesprächs geprüft. Die Prüfungszeit beträgt 15 Minuten.

7 Abschlüsse

Der Berufsschulabschluss wird unabhängig vom Berufsabschluss erworben, wenn die Leistungen den Anforderungen entsprechen.


Auszubildende erwerben mit dem Berufsschulabschluss die Fachoberschulreife, wenn sie

  1. eine Berufsschulabschlussnote von mindestens 3,0 erreichen,
  2. die Berufsabschlussprüfung bestehen und
  3. die notwendigen Englischkenntnisse nachweisen.

Schülerinnen und Schüler, die neben den vorgenannten Bedingungen eine Berufsschulabschlussnote von mindestens 2,5 erreichen, erwerben darüber hinaus die Berechtigung zum Besuch der gymnasialen Oberstufe.

8 Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten

Rechtsfachwirtin oder Rechtsfachwirt

9 Nützliche Links

Zuständige Kammer
Rechtsanwaltskammer Düsseldorf
Freiligrathstraße 25
40479 Düsseldorf
Tel.: 0211 / 49502-0
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