Medizinische Fachangestellte

Der Beruf des Arzthelfers/der Arzthelferin wurde am 1. August 2006 durch den Beruf der Medizinischen Fachangestellten (MFA) ersetzt. Er ist staatlich anerkannt und gehört zur Gruppe der Gesundheitsberufe. Die Ausbildung dauert im Allgemeinen drei Jahre. Die praktische Ausbildung findet bei einem niedergelassenen Arzt oder in einer Klinik statt, während die theoretische Ausbildung in Bezirksfachklassen am Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung Volksgartenstraße erfolgt.
Für den Beruf MFA interessieren sich überwiegend Schüler/innen nach Abschluss der Klasse 10 einer Hauptschule, einer Realschule, eines Gymnasiums, einer Fachschule - vornehmlich mit sozialpflegerischer Ausrichtung -, aber auch Abiturienten und Umschüler/innen aus pflegerischen und anderen Berufen. Rechtsgrundlage für die betriebliche Ausbildung ist das Berufsbildungsgesetz (BBiG). Die Vorschriften des BBiG wurden in der Verordnung über die Berufsausbildung zur MFA vom 26. April 2006 mit den speziellen Inhalten zu diesem Ausbildungsberuf umgesetzt.

1 Betätigungsfelder

Medizinische Fachangestellte sind hauptsächlich in Praxen von Allgemeinmedizinern, Fachärzten und in Kliniken tätig. Darüber hinaus finden sie Betätigungsfelder sowohl in Gesundheitsämtern als auch bei Ärztekammern, Kassenärztlichen Vereinigungen und Berufsverbänden.

2 Aufgaben und Anforderungen

Das Aufgabenspektrum der MFA ist aufgrund ihrer Einsatzmöglichkeiten bei Hausärzten, in Facharztpraxen und Kliniken sehr unterschiedlich. Damit der Praxisbetrieb reibungslos ablaufen und der Arzt sich ganz seiner Tätigkeit widmen kann, muss sich die MFA u. a. um die Kommunikation mit den Patienten, die softwaregestützte Terminplanung, die Bearbeitung von Patientendaten, die Verwaltung von Formularen, die Einholung von Angeboten, die anschließende Bestellung von Materialien aller Art sowie um die Annahme, Einlagerung und Kontrolle der diversen Materialien kümmern.

Damit diese Aufgaben von der MFA erfolgreich erfüllt werden können, sollte sie über folgende Fähigkeiten verfügen:
  • Geschick im Umgang mit Menschen,
  • Interesse an medizinischen Sachverhalten,
  • Einfühlungsvermögen und Hilfsbereitschaft,
  • Interesse an Verwaltungs- und Teamarbeit,
  • Organisations- und Improvisationstalent,
  • gute schriftliche und mündliche Ausdrucksweise,
  • Verschwiegenheit und Taktgefühl,
  • Belastbarkeit,
  • Ordnungssinn und Sauberkeit,
  • verantwortungsbewusste und zuverlässige Arbeitsweise,
  • gepflegtes Erscheinungsbild.

3 Dauer der Ausbildung und Verkürzungsmöglichkeiten

Die Ausbildungsdauer beträgt in der Regel drei Jahre.

Abiturienten und Schüler/innen mit Fachhochschulreife (schulischer Teil) können von Anfang an eine zweijährige Ausbildungszeit vereinbaren.
Auszubildende, die am Ende des zweiten Ausbildungsjahres in den prüfungsrelevanten Fächern der Berufsschule eine Durchschnittsnote von mindestens 2,0 erreicht haben, können auf Antrag die Ausbildungszeit um ½ Jahr bis 1 Jahr verkürzen. Dabei darf eine Mindestdauer der Ausbildungszeit von 18 Monaten nicht unterschritten werden. Für diese Auszubildenden und diejenigen, die die Abschlussprüfung nicht bestanden haben, wird jeweils von August bis Januar eine Oberstufenklasse eingerichtet. Damit ist eine gezielte Vorbereitung auf die Abschlussprüfung gesichert.

4 Praktische Ausbildung

Das Ausbildungsberufsbild verlangt für die praktische Ausbildung der MFA mindestens folgende Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten:
  • Berufsbildung,
  • Arbeits- und Tarifrecht,
  • Stellung des Ausbildungsbetriebes im Gesundheitswesen,
  • Anforderungen an den Beruf,
  • Organisation und Rechtsform des Ausbildungsbetriebes,
  • Gesetzliche und vertragliche Bestimmungen der medizinischen Versorgung,
  • Umweltschutz,
  • Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit,
  • Maßnahmen der Arbeits- und Praxishygiene,
  • Schutz vor Infektionskrankheiten,
  • Kommunikationsformen und –methoden,
  • Verhalten in Konfliktsituationen,
  • Betreuen von Patienten und Patientinnen,
  • Beraten von Patienten und Patientinnen,
  • Betriebs- und Arbeitsabläufe,
  • Qualitätsmanagement,
  • Zeitmanagement,
  • Arbeiten im Team,
  • Marketing,
  • Verwaltungsarbeiten,
  • Materialbeschaffung und –verwaltung,
  • Abrechnungswesen,
  • Informations- und Kommunikationssysteme,
  • Dokumentation,
  • Datenschutz und Datensicherheit,
  • Assistenz bei ärztlicher Diagnostik,
  • Assistenz bei ärztlicher Therapie,
  • Umgang mit Arzneimitteln, Sera und Impfstoffen sowie Heil- und Hilfsmitteln,
  • Grundlagen der Prävention und Rehabilitation,
  • Handeln bei Not- und Zwischenfällen.

5 Theoretische Ausbildung

Rechtsgrundlage für die schulische Ausbildung sind das Schulpflichtgesetz und der Rahmenlehrplan für den Ausbildungsberuf MFA (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 18. November 2005).

Die Auszubildenden besuchen an zwei Tagen pro Woche die Berufsschule und werden in folgenden Fächern bzw. Lernfeldern unterrichtet:

Stundentafel (Beispiel) Unterrichtsstunden pro Woche
  1. Jahr 2. Jahr 3. Jahr
I. Berufsbezogener Lernbereich
Medizinische Assistenz 2 2 2
Patientenbetreuung und Abrechnung 2 2 3
Wirtschafts- und Sozialprozesse 2 2 2
Praxismanagement 2 1 2
Fremdsprachliche
Kommunikation Englisch
  1-2  
II. Differenzierungsbereich
Medizinische Korrespondenz   1  
III. Berufsübergreifender Lernbereich
Religionslehre 1    
Politik / Gesellschaftslehre 1    
Deutsch / Kommunikation   1  
Insgesamt -maximal- 10 11 9
Medizinische Fachangestellte
Unterrichtsfächer, Lernfelder und Unterrichtsstunden (gültig ab 24.07.2006)
Unterrichtsfächer Lernfelder
Nr. Lernfeldinhalte Std. max.
1. Jahr
Medizinische Assistenz 3 Praxishygiene und Schutz vor Infektionskrankheiten organisieren 80
Patientenbetreuung und
Abrechnung
4 Bei Diagnostik und Therapie von Erkrankungen des Bewegungsapparates assistieren 60
Wirtschafts- und
Sozialprozesse
1 Im Beruf und Gesundheitswesen orientieren 60
Praxismanagement 2 Patienten empfangen und begleiten 80
2. Jahr
Medizinische Assistenz 5 Zwischenfällen vorbeugen und in Notsituationen Hilfe leisten 80
Patientenbetreuung und
Abrechnung
8 Patienten bei diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen der Erkrankungen des Urogenitalsystems begleiten 60
Wirtschafts- und
Sozialprozesse
6 Waren beschaffen und verwalten 80
Praxismanagement 7 Praxisabläufe im Team organisieren 60
3. Jahr
Medizinische Assistenz 9 Patienten bei diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen der Erkrankungen des Verdauungssystems begleiten 80
Patientenbetreuung und
Abrechnung
10 Patienten bei kleinen chirurgischen Behandlungen begleiten und Wunden versorgen 40
Wirtschafts- und
Sozialprozesse
12 Berufliche Perspektiven entwickeln 80
Praxismanagement 11 Patienten bei der Prävention begleiten 40

Ziel der Ausbildung ist es, den Auszubildenden die vielfältigen Fertigkeiten und Kenntnisse zu vermitteln, über die eine MFA in einem modernen Praxisbetrieb verfügen muss.

Der Unterricht im medizinischen Teil wird von Ärzten/Ärztinnen und Medizinisch-technischen Assistenten/Assistentinnen und im Abrechnungswesen u.a. von Fachkräften der Kassenärztlichen Vereinigung erteilt.

Die umfangreiche kaufmännische Ausbildung soll die MFA befähigen, die Verwaltungsaufgaben in der Arztpraxis selbstständig auszuführen, des Weiteren aber auch berufliche Mobilität ermöglichen.

Das Einzugsgebiet der Bezirksfachklassen MFA umfasst das Stadtgebiet Mönchengladbach und den Kreis Viersen, einschließlich Schwalmtal und Nettetal, wobei der Sitz der Arztpraxis den Schulort bestimmt.

Das große Einzugsgebiet ermöglicht die Einrichtung von vier Parallelklassen für jede Jahrgangsstufe. So können die Schultage nach Möglichkeit den Wünschen der Ausbildenden festgelegt werden. Der Unterricht findet an zwei Tagen statt, davon an einem Wochentag vormittags und mittwochs für alle Klassen am Nachmittag.

6 Prüfungen

Zwischenprüfung
Voraussetzung für die Zulassung zur Abschlussprüfung ist die Teilnahme an der zentral gestellten Zwischenprüfung jeweils Anfang März des 2. Ausbildungsjahres und die Vorlage des ordnungsgemäß geführten Berichtsheftes. Die Prüfungsdauer beträgt 100 Minuten. Die Zwischenprüfung soll die Auszubildenden und die Ausbildenden über den jeweiligen Ausbildungs- bzw. Leistungsstand informieren, um gegebenenfalls korrigierend auf die weitere Ausbildung einwirken zu können.

Abschlussprüfung
In Zusammenarbeit mit der Schule wird am Ende der Ausbildung die Abschlussprüfung vor der Ärztekammer abgelegt. Die Prüfung besteht aus einem schriftlichen, einem praktischen und, bei Bedarf, einem mündlichen Teil.

Der schriftliche Prüfungsteil besteht aus den Bereichen Behandlungsassistenz (120 Minuten), Betriebsorganisation und –verwaltung (120 Minuten) sowie Wirtschafts- und Sozialkunde (60 Minuten).

Im praktischen Prüfungsteil sollen die Prüflinge in maximal 75 Minuten eine komplexe Prüfungsaufgabe bearbeiten sowie ein Fachgespräch führen.

Über die bestandene Prüfung erhalten die Prüflinge von der Ärztekammer Nordrhein ein Zeugnis. Von der Berufsschule erhalten sie ein Abschluss- bzw. Abgangszeugnis. Eine nicht bestandene Prüfung kann zweimal wiederholt werden.

Absolventen der Höheren Handelsschule erwerben mit der bestandenen Abschlussprüfung vor der Ärztekammer die "Fachhochschulreife" (FHSR).

7 Abschlüsse

Der Berufsschulabschluss wird unabhängig vom Berufsabschluss erworben, wenn die Leistungen den Anforderungen entsprechen.


Auszubildende erwerben mit dem Berufsschulabschluss die Fachoberschulreife, wenn sie

  1. eine Berufsschulabschlussnote von mindestens 3,0 erreichen,
  2. die Berufsabschlussprüfung bestehen und
  3. die notwendigen Englischkenntnisse nachweisen.

Schülerinnen und Schüler, die neben den vorgenannten Bedingungen eine Berufsschulabschlussnote von mindestens 2,5 erreichen, erwerben darüber hinaus die Berechtigung zum Besuch der gymnasialen Oberstufe.

8 Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten

Fortbildung:
Da die Medizinischen Fachangestellten den stetig steigenden Berufsanforderungen gewachsen sein müssen, sind für sie berufliche Fortbildungen unerlässlich. Deshalb werden u. a. von Ärztekammern und Berufsverbänden verschiedene Fortbildungsveranstaltungen angeboten, z. B. für
  • Praxismarketing,
  • Abrechnung,
  • IGeL-Leistungen,
  • Strahlenschutz,
  • PC-Arbeiten/Praxissoftware.
Weiterbildung:
Manche Medizinischen Fachangestellten möchten u.a. in anderen Bereichen des Gesundheitswesens tätig werden, um mehr Verantwortung zu übernehmen und um entsprechend mehr zu verdienen. Zu den Weiterbildungsmaßnahmen zählen z. B.
  • Arztfachhelferin,
  • Praxismanagerin,
  • Gesundheitspädagogin,
  • Diätberaterin,
  • Präventionsfachkraft,
  • Qualitätsbeauftragte.

9 Nützliche Links

nach obennach oben