Lagerfachhelfer/-in (§ 66 BBiG/§42 HwO)

Jeder Mensch hat seine ganz besonderen Fähigkeiten und damit seine Chancen, am Arbeitsleben teilzuhaben.
Für viele Jugendliche, bei denen eine Lernbehinderung festgestellt wurde, ist eine übliche Vollausbildung einfach zu schwer. Ihnen eröffnet die theoriereduzierte Berufsausbildung zum Lagerfachhelfer Chancen zur gleichberechtigten Teilhabe am Arbeitsleben.
Der Beruf ‚Lagerfachhelfer' ist mit dem ‚Fachlageristen' verwandt. Der Unterrichtsstoff in der Berufsschule ist jedoch deutlich einfacher und auch die praktischen Anforderungen sind nicht so hoch. Die Berufsausbildung zum Lagerfachhelfer ist von der Industrie- und Handelskammer (IHK) anerkannt und endet auch mit einer Abschlussprüfung vor der IHK.
Die Berufsausbildung behinderter Menschen richtet sich nach den allgemeinen Bestimmungen des § 66 Berufsbildungsgesetz bzw. § 42m der Handwerksordnung. Für den Beruf ‚Lagerfachhelfer' haben die Industrie- und Handeleskammern jeweils konkrete Ausbildungsregelungen festgelegt.

Die zweijährige Ausbildung erfolgt im dualen System:

  • Die praktische Ausbildung findet in einem Betrieb oder einer Einrichtung der beruflichen Rehabilitation (z.B. Berufsbildungswerk) statt.
  • Parallel hierzu werden den Auszubildenden die theoretischen Inhalte, die sie für ihren Beruf brauchen, in der Berufsschule des Berufskollegs für Wirtschaft und Verwaltung Volksgartenstraße vermittelt.

Eine Ausbildung zum Lagerfachhelfer kann man auch ohne Schulabschluss beginnen. Bei der Suche nach einem passenden Weg in das Arbeitsleben empfiehlt sich jedoch eine Beratung durch die Spezialisten des Reha-Teams der Agentur für Arbeit. Sie stellen nicht nur die Eignung für eine Berufausbildung zum Lagerfachhelfer fest, sondern helfen auch bei der Klärung der Voraussetzungen für eine individuelle Förderung mit dem Ziel der beruflichen Eingliederung.

1 Betätigungsfelder

Lagerfachhelfer arbeiten insbesondere bei Speditionen, Industriebetrieben mit Lagern und Versandabteilungen, im Versandhandel sowie im Groß- und Einzelhandel.

2 Aufgaben und Anforderungen

Lagerfachhelfer müssen Waren - auch Gefahrenstoffe - sachgerecht lagern, für den Versand richtig zusammenstellen, sicher verpacken und beispielsweise die Kosten für Versand und Verpackung korrekt ermitteln. Beim Führen von Gabelstaplern oder Hebebühnen ist Umsicht erforderlich.
Wichtig sind daher
  • Sorgfalt,
  • Verantwortungsbewusstsein
  • und gute Rechenkenntnisse.
Darüber hinaus sind Computerkenntnisse hilfreich, um Warendaten mit elektronischen Geräten und Warenwirtschaftssystemen zu verwalten.

Die konkreten Arbeitsanforderungen hängen natürlich von den Anforderungen und der Ausstattung des Arbeitsplatzes ab.

3 Dauer der Ausbildung

Die Ausbildung endet i.d.R. nach 2 Jahren mit Bestehen der Abschlussprüfung vor der IHK.
Bei Nichtbestehen verlängert sich die Ausbildungszeit bis zur nächsten Wiederholungsprüfung. Auch im Falle einer längeren Erkrankung ist eine Verlängerung der Ausbildungszeit möglich.

4 Praktische Ausbildung

Rechtsgrundlage für die betriebliche Qualifizierung ist die jeweilige Ausbildungsregelung über die Berufsaus-bildung Lagerfachhelfer/Lagerfachhelferin der zuständigen Industrie- und Handelskammer (IHK), bei der der Ausbildngsvertrag in das Verzeichnis der Ausbildungsverhältnisse eingetragen wurde.
Im Großraum Mönchengladbach, Viersen, Krefeld, Neuss ist dies die IHK Mittlerer Niederrhein.

Im 1. Ausbildungsjahr (berufliche Grundbildung) wird den Auszubildenden insbesondere vermittelt wie man ...
  • Wareneingänge annimmt, auspackt und auf Vollständigkeit und Richtigkeit prüft,
  • Waren auszeichnet, sortiert und lagert,
  • welche Verpackungsmaterialien und –mittel es gibt,
  • Waren verpackt und welche Behandlungs- und Markierungssymbole dabei zu beachten sind,
  • Lagerhilfsmittel auswählt, einsetzt und pflegt.

Im 2. Ausbildungsjahr (berufliche Fachbildung) lernen die Auszubildenden insbesondere wie man ...
  • Waren auftragsgemäß zusammenstellt (Kommissionierung),
  • Waren für den Versand mit einem geeigneten Verkehrsträger (Bahn, Post etc.) vorbereitet und mit den entsprechenden Versandformularen umgeht,
  • den Lagerbestand erfasst und kontrolliert,
  • Lagerkennziffern nutzt und bei Warenbestellungen mitwirkt,
  • Lagerfachkarten, Scanner und andere elektronische Erfassungsgeräte nutzt,
  • bei Inventuren mitwirkt.

5 Theoretische Ausbildung

Rechtsgrundlage für die Qualifizierung am Lernort Berufsschule ist - neben dem Schulgesetz des Landes NRW, das u.a. die Berufsschulpflicht regelt - die Ausbildungs- und Prüfungsordnung Berufskolleg (APO-BK).
Die Auszubildenden besuchen unser verkehrsgünstig gelegenes Berufskolleg in der Unter- und Oberstufe (1. und 2. Ausbildungsjahr) jeweils an einem Tag pro Woche. Der Unterricht erstreckt sich dabei auf folgende Fächer:

Stundentafel Unterrichtsstunden pro Woche
  1. Jahr 2. Jahr
I. Berufsbezogener Lernbereich
Fachkunde 2 2
Betriebswirtschaftslehre 1,5 1
II.  Berufsübergreifender Lernbereich
Mathematik 2 2
Deutsch - 1
III.  Differenzierungsbereich
Finanzdienstleistungen 0,5 -
Insgesamt -maximal - 6 6

Als dualer Ausbildungspartner der Betriebe bzw. Berufsförderungswerke vermittelt das Berufskolleg Volksgartenstraße den Auszubildenden nicht nur eine adäquate, zukunftsorientierte berufliche Grund- und Fachbildung, sondern erweitert auch ihre bisherige Allgemeinbildung. Auch bei der Unterrichtsgestaltung im berufsübergreifenden Lernbereich wird stets Wert gelegt auf ausgeprägten Berufsbezug und Praxisorientierung.
Der individuellen Förderung der Auszubildenden gilt unsere besondere Aufmerksamkeit. Deshalb legen wir u.a. Wert auf
  • überschaubare Lerngruppen,
  • Lehrkräfte mit zielgruppenadäquaten Berufserfahrungen und Zusatzqualifikationen (z.B. Heilpädagogen),
  • eine enge Kooperation mit den ausbildenden Betrieben, Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation und sozialpädagogischen Fachkräften, die den Auszubildenden in schwierigen Lebens- und Ausbildungssituationen beratend zur Seite stehen.
Hierdurch konnten in den letzten Jahren nicht nur beachtliche Ergebnisse sondern auch Spitzenleistungen erzielt werden:

Landesbeste 2011 Im November 2011 wurde Jens Röhrhoff, der seine Ausbildung zum Lagerfachhelfer beim Jugendförderungswerk Mönchengladbach e. V. absolvierte, bei der Landesbestenehrung der 16 nordrheinwestfälischen Industrie- und Handelskammern in der Bochumer Jahrhunderthalle für seine herausragenden Leistungen ausgezeichnet.
Er gehört zu den "Besten der Besten" des Prüfungsjahrgangs 2011 in ganz Nordrhein-Westfalen!

6 Prüfungen

Zwischenprüfung
Vor Ablauf des 1. Ausbildungsjahres wird in einer schriftlichen Zwischenprüfung der Ausbildungsstand der angehenden Lagerfachhelfer ermittelt, um gegebenenfalls korrigierend auf die weitere Ausbildung einwirken zu können. Sie erstreckt sich auf ...
  • eine praktische Arbeitsaufgabe (45 Minuten)
  • sowie schriftlich zu bearbeitende Aufgaben aus den Fächern Fachkunde und Fachrechnen (60 Minuten).
Da die Teilnahme an der Zwischenprüfung zu den Zulassungsvoraussetzungen für die Abschlussprüfung zählt, sollte der Ausbildungsbetrieb auf eine fristgerechte Anmeldung bei der zuständigen Kammer achten.

Abschlussprüfung
Am Ende der Ausbildungszeit muss vor der IHK eine Abschlussprüfung abgelegt werden. Die fristgerechte Anmeldung hierzu erfolgt ebenfalls durch den Ausbildungsbetrieb.
Sie wird auf der Grundlage der Ausbildungsregelung der zuständigen IHK durchgeführt und besteht aus einer schriftlichen und einer praktischen Prüfung.
  • Die schriftliche Prüfung erstreckt sich auf die Fächer Fachkunde, Fachrechnen, sowie Wirtschafts- und Sozialkunde.
  • In der praktischen Prüfung führen die Prüfungsteilnehmer zumeist eine praktische Arbeitsaufgabe aus den Bereichen Warenannahme, Einlagerung, Kommissionierung oder Versandabwicklung durch.
Im Einzelfall können Prüfungserleichterungen gewährt werden, um bestimmte behinderungsspezifsche Nachteile auszugleichen.
Die Prüfung ist bestanden, wenn mindestens ausreichende Leistungen erbracht worden sind.
Eine nicht bestandene Abschlussprüfung kann gemäß Berufsbildungsgesetz zweimal wiederholt werden. Die Ausbildungszeit verlängert sich dann entsprechend bis zur nächsten Wiederholungsprüfung.
Über die bestandene Prüfung erhalten die Prüflinge von der IHK ein Zeugnis. Daneben erhalten sie von der Berufsschule ein Abschluss- bzw. Abgangszeugnis.

7 Abschlüsse

Der Berufsschulabschluss wird unabhängig vom Berufsabschluss erworben, wenn die Leistungen den Anforderungen entsprechen. Der Berufsschulabschluss ist ein dem Hauptschulabschluss vergleichbarer Abschluss.

8 Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten

Im Laufe des Berufslebens muss man sein Fachwissen immer auf dem neuesten Stand halten – sich weiterbilden. Für Lagerfachhelfer werden zahlreiche Seminare oder Schulungen angeboten um sich beispielsweise über Neuerungen in der Material- und Lagerwirtschaft, bei Verpackungsmitteln und –maschinen oder bei der Kennzeichnung und Bestellung von Waren zu informieren – z.B. im Logistiktrainingszentrum LTZ Nießen, Neuss.

Wer sich im Berufsleben bewährt hat und weiterentwickeln möchte, kann sich nach der Berufsausbildung zum Lagerfachhelfer in einem verwandten staatlich anerkannten Ausbildungsberuf (z.B. Fachlagerist oder Fachkraft für Lagerlogistik) weiterqualifizieren. Die erbrachten Ausbildungsleistungen können hierauf angerechnet werden.

9 Nützliche Links

Lagerfachangestellter:
Selbstverständlich sind auch weibliche Interessentinnen für den Beruf ‚Lagerfachhelfer' gern gesehen. Dass im Text die männliche Form verwendet wird, geschieht aus Gründen der besseren Lesbarkeit und weil überwiegend Männer als Lagerfachhelfer tätig sind.
Ausbildungsregelung über die Berufsausbildung Lagerfachhelfer/Lagerfachhelferin der zuständigen IHK:
Das Ausbildungsberufsbild sieht i.d.R. vor, dass dem Lagerfachhelfer mindestens folgende Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten in der praktischen Ausbildung vermittelt werden:
  • Kenntnisse über den Ausbildungsbetrieb,
  • Arbeitssicherheit, Umweltschutz und rationelle Energienanwendung,
  • Arbeits-, und Tarifrecht und sozialrechtliche Regelungen,
  • Annehmen und Auspacken von Gütern,
  • Lagern von Gütern,
  • Kommissionieren und Verpacken von Gütern,
  • Bestandsaufnahme und Warenbestellung,
  • Handhaben und Pflegen der Lagerhilfsmittel,
  • Versandabwicklung von Gütern mit Post, Bahn und anderen Warenverkehrsträgern,
  • Umgehen mit Arbeitsmitteln.
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