Industriekaufleute

Im Zuge einer fortschreitenden Globalisierung der Märkte haben sich die Rahmenbedingungen und Anforderungen an international tätige Unternehmen grundlegend gewandelt. Dies hat zu einer Intensivierung und räumlichen Ausdehnung des Wettbewerbs geführt. Deshalb stellt die Anpassung an die neuen Gegebenheiten einen Schlüsselfaktor für erfolgreiche Unternehmen dar. Qualifizierte Mitarbeiter spielen hierbei eine zentrale Rolle.
Eine der großen zukünftigen Herausforderungen für die Unternehmen in NRW ist es deshalb, den Fachkräftebedarf zu sichern.

Das Berufskolleg Volksgartenstraße stellt hierbei einen kompetenten Partner im Rahmen des dualen Systems dar. Für uns ist der ständige Dialog mit den industriellen Ausbildungsbetrieben ebenso eine Selbstverständlichkeit wie die vielfältige Zusammenarbeit mit der Industrie- und Handelskammer.

1 Betätigungsfelder

Industriekaufleute sind in beinahe allen kaufmännischen Abteilungen der industriellen Unternehmen und darüber hinaus in zahlreichen anderen Wirtschaftsbereichen einsetzbar. Aufgrund der großen Vielseitigkeit der Ausbildung wird jedes Jahr in Deutschland eine beträchtliche Anzahl, bereits in anderen Berufen ausgebildeter Fachkräfte, zu Industriekaufleuten umgeschult.

2 Aufgaben und Anforderungen

Die Aufgaben der Industriekaufleute erwachsen aus den Kernprozessen der Unternehmen. Ausgehend von der Auftragsanbahnung und Beschaffung benötigter Produktionsfaktoren bis hin zur Vermarktung der hergestellten Endprodukte entstehen anspruchsvolle Tätigkeitsfelder, in denen die Mitarbeiter in kundenorientierter Weise ihren Aufgaben gerecht werden müssen.

Neben den originären Geschäftsprozessen eines Industrieunternehmens bieten Unternehmen in den letzten Jahren vermehrt auch Dienstleistungen, zum Beispiel aus den Bereichen Finanzierung und Versicherung, an. Diese Entwicklung bringt selbstverständlich zusätzliche Herausforderungen und Aufgaben für die Mitarbeiter mit sich.

Die Globalisierung der Beschaffungs- und Absatzmärkte verlangt neben den betriebswirtschaftlichen Fachkenntnissen ebenfalls ein gesteigertes Maß an Sprachkompetenzen. Die Beherrschung der englischen und einer weiteren Sprache sind deshalb unentbehrlich.

Die beschriebenen gesteigerten Anforderungen an die Industrieunternehmen verlangen heute überdurchschnittlich motivierte und engagierte Mitarbeiter mit ausgeprägter Handlungskompetenz, der Fähigkeit und Bereitschaft zur Arbeit im Team sowie dem Gespür für die Ziele und Belange des Unternehmens.

Für die kaufmännische Ausbildung bedeutet dies, dass Abiturienten/innen und Absolventen/innen der Höheren Handelsschule bei der Ausbildungsplatzvergabe bevorzugt werden. Die erforderlichen Schulabschlüsse – Allgemeine Hochschulreife, die volle sowie der schulische Teil der Fachhochschulreife – können am Berufskolleg Volksgartenstraße erworben werden. Dem Schulprofil entsprechend besteht überdies die Möglichkeit der Sprachverfestigung, Sprachvertiefung und des Neuerlernens von Sprachen während der Ausbildungszeit.

3 Dauer der Ausbildung und Verkürzungsmöglichkeiten

Die Ausbildungsdauer ist auf drei Jahre festgelegt. Sie kann jedoch auf zweieinhalb oder zwei Jahre verkürzt werden. Mehrheitlich gehen die Auszubildenden an unserem Berufskolleg derzeit nach zweieinhalb Jahren in die Abschlussprüfung.
Eine vorzeitige Zulassung ist gerechtfertigt, wenn der Auszubildende sowohl im Ausbildungsbetrieb als auch in der Berufsschule überdurchschnittliche Leistungen nachweist und die in der Ausbildungsordnung vorgesehenen Ausbildungsinhalte im Wesentlichen bis zur Prüfung vermittelt werden können.
Überdurchschnittliche Leistungen liegen in der Regel vor, wenn sowohl das letzte Zeugnis der Berufsschule in den prüfungsrelevanten Fächern oder Lernfeldern den Durchschnitt von 2,49 oder besser aufweist als auch die betrieblichen Ausbildungsleistungen mit 2,49 oder besser bewertet werden.

4 Praktische Ausbildung

Die Berufsschule und die Ausbildungsbetriebe erfüllen in der dualen Ausbildung einen gemeinsamen Bildungsauftrag.

In den Ausbildungsbetrieben werden die zu erwerbenden beruflichen Handlungskompetenzen in der Praxis vermittelt und somit die theoretischen Inhalte vertieft.
Den rechtlichen Rahmen hierzu bilden das Berufsbildungsgesetz sowie die "Verordnung über die Berufsausbildung zum Industriekaufmann/zur Industriekauffrau" vom 23. Juli 2002.

Ein weiterer Teil der Ausbildung erfolgt am Berufskolleg.

5 Theoretische Ausbildung

Grundlagen der berufsschulischen Qualifizierung sind der bundesweit gültige KMK-Rahmenlehrplan sowie der konkretisierende Lehrplan des Landes NRW.

Der Berufsschulunterricht findet an zwei Wochentagen, in der Regel vormittags, statt. Der Unterricht an der Berufsschule ist gegliedert in berufsbezogenen und -übergreifenden Unterricht sowie Inhalte, die dem Differenzierungsbereich zu zuordnen sind.
Während Geschäftsprozesse, kaufmännische Steuerung und Kontrolle, Wirtschafts- und Sozialprozesse sowie Datenverarbeitung zum berufsbezogenen Bereich zählen, gehören Religion, Politik und Deutsch/Kommunikation zum berufsübergreifenden Bereich.
Zum Differenzierungsbereich hingegen gehören die Fächer Spanisch, Englisch und kaufmännische Mathematik.
Fachbereichsübergreifend werden die Handlungs-, Fach-, Personal- und Sozialkompetenz sowie die Methoden- und Lernkompetenz der Schüler/innen am Berufskolleg Volksgartenstraße gefördert. Dabei ist uns die individuelle Förderung der Schüler/innen ein besonderes Anliegen.

Industriekaufleute
Unterrichtsfächer, Lernfelder und Unterrichtsstunden (gültig ab 01.08.2002)
Unterrichtsfächer Lernfelder
Nr. Lernfeldinhalte Std. max.
1. Jahr
Wirtschafts- und Sozialprozesse 1 In Ausbildung und Beruf orientieren 40
Geschäftsprozesse 2 Marktorientierte Geschäftsprozesse eines
Industriebetriebes erfassen
60
5 Leistungserstellungsprozesse planen,
steuern und kontrollieren
80
Steuerung und Kontrolle 3 Werteströme erfassen und dokumentieren 60
4 Wertschöpfungsprozesse analysieren und beurteilen 80
2. Jahr
Wirtschafts- und Sozialprozesse 9 Das Unternehmen im gesamt- und
weltwirtschaftlichen Zusammenhang einordnen
40
Geschäftsprozesse 6 Beschaffungsprozesse planen, steuern und kontrollieren 60
7 Personalwirtschaftliche Aufgaben wahrnehmen 80
Steuerung und Kontrolle 8 Jahresabschluss analysieren und bewerten 80
3. Jahr
Wirtschafts- und Sozialprozesse 12 Unternehmensstrategien, -projekte umsetzen 80
Geschäftsprozesse 13 Absatzprozesse planen, steuern, kontrollieren 160
Steuerung und Kontrolle 11 Investitions- und Finanzierungsprozesse planen 40

Am Ende der Unter- und Mittelstufe erhalten die Schüler/innen jeweils ein Jahreszeugnis.
Bei erfolgreichem Absolvieren der Berufsschule bekommen die Schüler/innen am Ende ihrer Ausbildung ein Abschlusszeugnis. Die dort ausgewiesene Abschlussnote ist eine Durchschnittsnote, bei deren Berechnung das Fach Geschäftsprozesse mit doppelter Gewichtung Berücksichtigung findet. Schüler/innen, denen zwei oder mehr Leistungen mit der Note "mangelhaft" testiert wurden, erhalten ein Abgangszeugnis. Dies gilt auch für Schüler/innen mit "ungenügenden" Leistungen in einem oder mehreren Fächern.

6 Prüfungen

Die für den Ausbildungsberuf vorgesehenen Prüfungen werden bundeseinheitlich bei den Industrie- und Handelskammern durchgeführt.

Zwischenprüfung
Zur Ermittlung des Ausbildungsstands wird eine Zwischenprüfung durchgeführt. Ihr Zeitpunkt richtet sich nach der Ausbildungsdauer:
  • zwei- oder zweieinhalbjährige Ausbildungsverhältnisse: zu Beginn des 2. Ausbildungsjahres
    (Herbstprüfung)
  • dreijährige Ausbildungsverhältnisse: Mitte des zweiten Ausbildungsjahres
    (Frühjahrsprüfung)
In maximal 90 Minuten sind praxisbezogene Aufgaben oder Fälle aus folgenden Prüfungsgebieten schriftlich zu bearbeiten:
  • Beschaffung und Bevorratung
  • Produkte und Dienstleistungen
  • Kosten- und Leistungsrechnung

Abschlussprüfung
Die schriftliche Prüfung findet zu Beginn des letzten Ausbildungshalbjahres an zwei aufeinanderfolgenden Tagen statt. Sie erstreckt sich auf folgende Prüfungsbereiche:
  • Geschäftsprozesse (höchstens 180 Minuten).
  • Kaufmännische Steuerung und Kontrolle (höchstens 90 Minuten).
  • Wirtschafts- und Sozialkunde (höchstens 60 Minuten).
Die Ausbildung endet mit dem Bestehen der mündlichen Prüfung (ca. 30 Minuten). Im Prüfungsbereich Einsatzgebiet sollen die Prüfungsteilnehmer/innen in einer Präsentation und ineinem Fachgespräch über eine selbständig durchgeführte Fachaufgabe in einem Einsatzgebiet zeigen, dass sie komplexe Fachaufgaben und ganzheitliche Geschäftsprozesse beherrschen und Problemlösungen in der Praxis erarbeiten können.
Zur Vorbereitung der Präsentation ist ein höchstens fünfseitiger Report zu erstellen.

Die Abschlussprüfung ist bestanden, wenn
  • im Prüfungsbereich Geschäftsprozesse,
  • in mindestens einem der beiden Prüfungsbereiche Kaufmännische Steuerung und Kontrolle und Wirtschafts- und Sozialkunde,
  • im Prüfungsbereich Einsatzgebiet und
  • im Gesamtergebnis der Abschlussprüfung
mindestens ausreichende Leistungen erbracht worden sind. Ungenügende Leistungen in einem Prüfungsgebiet führen zum Nichtbestehen der Abschlussprüfung.

Sind in einem schriftlichen Prüfungsbereich die Leistungen mit mindestens ausreichend und in den beiden anderen schriftlichen Prüfungsbereichen mit mangelhaft bewertet worden, so ist in einem der beiden mangelhaften Prüfungsbereiche eine mündliche Ergänzungsprüfung möglich, wenn diese für das bestehen der Abschlussprüfung den Ausschlag geben kann.

Die Abschlussprüfung kann zweimal wiederholt werden, frühestens jedoch nach 6 Monaten. Der Prüfling hat Anspruch auf eine Verlängerung seines Ausbildungsverhältnisses bis zur nächstmöglichen Wiederholungsprüfung (maximal 1 Jahr).

7 Abschlüsse

Nach erfolgreich abgelegter Abschlussprüfung stellt die zuständige IHK ein Berufsabschlusszeugnis aus. Hierin werden die Leistungen in den industriellen Geschäftsprozessen, der Steuerung und Kontrolle, der Wirtschafts- und Sozialkunde sowie dem Einsatzgebiet einzeln aufgeführt. Unter Berücksichtigung der jeweiligen Gewichtungsfaktoren wird eine Gesamtabschlussnote ermittelt und ausgewiesen.

Unabhängig vom Berufsabschluss wird der Berufsschulabschluss erworben, wenn die Leistungen den Anforderungen entsprechen.


Auszubildende erwerben mit dem Berufsschulabschluss die Fachoberschulreife, wenn sie

  1. eine Berufsschulabschlussnote von mindestens 3,0 erreichen,
  2. die Berufsabschlussprüfung bestehen und
  3. die notwendigen Englischkenntnisse nachweisen.

Schülerinnen und Schüler, die neben den vorgenannten Bedingungen eine Berufsschulabschlussnote von mindestens 2,5 erreichen, erwerben darüber hinaus die Berechtigung zum Besuch der gymnasialen Oberstufe.

8 Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten

Auf der Basis einer beruflichen Ausbildung bieten sich nahezu unbegrenzte Möglichkeiten einer beruflichen Karriere. Neben der Teilnahme an innerbetrieblichen Bildungsmaßnahmen vermitteln Kurse und Seminare der Sozialpartner und Kammern das Rüstzeug für einen beruflichen Aufstieg. Die Titel "Bilanzbuchhalter (IHK)" oder "Industriefachwirt (IHK)" müssen nicht das Ende eines solchen Weges markieren.

Nicht wenige Absolventen des Berufskollegs Volksgartenstraße wechseln nach ihrer Abschlussprüfung an eine Hoch- oder Fachhochschule, um einige Jahre später erfolgreich ihre berufliche Laufbahn fortzusetzen.

Immer stärker geraten auch die dualen Studiengänge in den Fokus junger Menschen.
Für das BKVGS sind Auszubildende, die neben der Lehre in Industrieunternehmen auch eine Hochschule besuchen, bereits seit Jahren keine Seltenheit. 

9 Nützliche Links

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