Immobilienkaufleute

1 Betätigungsfelder

Für Immobilienkaufleute gibt es zahlreiche Einsatzmöglichkeiten in verschiedenen Geschäftsbereichen der Immobilienwirtschaft. Die Tätigkeiten erstrecken sich auf sämtliche Fragen um Haus, Wohnung oder Grundstück. Vorrangig geht es darum, Immobilien und Grundstücke zu verwalten, zu vermitteln, zu vermieten, zu verpachten, zu bewirtschaften oder zu verkaufen. Weitere Einsatzbereiche sind das Planen und Durchführen von Bauvorhaben bei Bauträgern und Projektentwicklern, die Erstellung von Marketing- sowie von Finanzierungskonzepten.

Hier werden Immobilienkaufleute eingesetzt:
  • in Wohnungsunternehmen,
  • bei Bauträgern,
  • bei Immobilien- und Projektentwicklern,
  • bei Immobilienmaklern,
  • bei Grundstücks-, Vermögens- und Wohnungseigentumsverwaltungen.
Immobilienkaufleute sind darüber hinaus auch
  • in den Immobilienabteilungen von Banken, Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken,
  • in Bausparkassen,
  • in Versicherungen,
  • in Industrie- und Handelsunternehmen oder
  • in der öffentlichen Verwaltung, z.B. bei Liegenschaftsbehörden
tätig.

2 Aufgaben und Anforderungen

Der Beruf des Immobilienkaufmanns/der Immobilienkauffrau erfordert Kenntnisse und Fähigkeiten auf vielen Gebieten, die in im Rahmen der sehr anspruchsvollen Ausbildung vermittelt werden.

Zu den Aufgaben zählen u.a.:
  • die Abwicklung von Vertragsabschlüssen und Aufklärung über Rechte und Pflichten,
  • die Erstellung von Betriebskostenabrechnungen,
  • die Organisation und Durchführung von Wohnungseigentümerversammlungen,
  • die Vermittlung und der Verkauf bebauter und unbebauter Grundstücke,
  • die Mitarbeit bei der Entwicklung von Bauprojekten,
  • die Organisation der Bauvergabe und Baubetreuung.
Bewerber sollten daher:
  • über gute kommunikative Fähigkeiten verfügen,
  • ein souveränes Auftreten haben,
  • Interesse an gesetzlichen Grundlagen mitbringen,
  • gerne auch Rechenaufgaben bewältigen,
  • über angenehme Umgangsformen verfügen,
  • ihre Fähigkeiten gerne im Team einbringen.
Die Ausbildungsordnung sieht als schulische Mindestvoraussetzung einen Hauptschulabschluss vor. Es ist festzustellen, dass unsere Ausbildungsbetriebe Wert auf einen guten Schulabschluss legen (z.B. allgemeine Hochschulreife, Fachhochschulreife nach Besuch der Höheren Berufsfachschule).

3 Dauer der Ausbildung und Verkürzungsmöglichkeiten

Gemeinsam mit Ihrem Ausbildungsbetrieb legen Sie die Dauer Ihrer Ausbildung in Ihrem Ausbildungsvertrag fest.
Die Regelausbildungszeit beträgt 3 Jahre. In Ausnahmefällen (z.B. aufgrund Ihrer schulischen bzw. praktischen Vorleistungen) bieten manche Ausbildungsbetriebe bereits bei Abschluss des Ausbildungsvertrages auch eine Verkürzung der Ausbildungszeit auf 2 Jahre bzw. 2,5 Jahre an.
Sofern nach Beginn der Ausbildung der Wunsch nach einer Verkürzung der Ausbildungsdauer auf 2,5 Jahre besteht, können leistungsstarke Auszubildende im Einvernehmen mit ihrem Ausbildungsbetrieb einen entsprechenden Antrag an die zuständige Industrie- und Handelskammer (IHK) stellen. Die Genehmigung wird erteilt, wenn in den prüfungsrelevanten Fächern mindestens ein Notendurchschnitt von 2,49 erreicht wird.
Bei entsprechend großer Nachfrage kann der Unterricht darauf eingestellt werden. In den letzten Jahren konnten wir grundsätzlich immer eine sogenannte "Verkürzerklasse" anbieten, in der Auszubildende, die sich bereits bei Ausbildungsbeginn im Einvernehmen mit ihrem Ausbildungsbetrieb für eine Verkürzung der Ausbildungszeit entschieden haben, aufgenommen wurden.

4 Praktische Ausbildung

Der Ausbildungsplan als Bestandteil Ihres Ausbildungsvertrages sieht die Vermittlung der folgenden Kenntnisse und Fertigkeiten durch Ihren Ausbildungsbetrieb vor:
  1. Der Ausbildungsbetrieb,
  2. Organisation, Information und Kommunikation,
  3. Kaufmännische Steuerung und Kontrolle,
  4. Marktorientierung,
  5. Immobilienbewirtschaftung einschließlich Erwerb, Veräußerung und Vermittlung von Immobilien,
  6. Begleitung von Bauvorhaben.
Im Einvernehmen mit Ihrem Ausbildungsbetrieb legen Sie in der Regel schon zu Beginn Ihrer Ausbildungszeit zwei Wahlqualifikationseinheiten und damit Ihren Ausbildungsschwerpunkt fest. In einer dieser beiden Wahlqualifikationseinheiten werden Sie im Rahmen der mündlichen/praktischen Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer geprüft. Mit dieser Regelung wird der zunehmenden Heterogenität der Ausbildungsbetriebe in der Ausbildungsordnung Rechnung getragen. Die Wahlqualifikationseinheiten lauten:
  • Steuerung und Kontrolle im Unternehmen,
  • Gebäudemanagement,
  • Maklergeschäfte,
  • Bauprojektmanagement,
  • Wohnungseigentumsverwaltung.
Selbstverständlich begleiten wir als Berufskolleg unterstützend alle diese Module.

5 Theoretische Ausbildung

In Anlehnung an den Rahmenlehrplan für den Ausbildungsberuf des Immobilienkaufmanns/der Immobilienkauffrau werden die folgenden 13 Lernfelder unterrichtet:

Übersicht über die Lernfelder für den Ausbildungsberuf
Immobilienkauffmann/Immobilienkauffrau
1. Die Berufsausbildung selbstständig mitgestalten
2. Das Immobilienunternehmen repräsentieren
3. Werteströme und Werte erfassen und dokumentieren
4. Wohnräume vermieten
5. Wohnräume verwalten und Bestände pflegen
6. Gewerbliche Objekte bewirtschaften
7. Grundstücke erwerben und entwickeln
8. Bauprojekte entwickeln und begleiten
9. Wohnungseigentum begründen und verwalten
10. Immobilien vermitteln und mit Immobilien handeln
11. Immobilien finanzieren
12. Gesamtwirtschaftliche Einflüsse bei immobilienwirtschaftlichen Entscheidungen berücksichtigen
13. Jahresabschlussarbeiten vornehmen und Informationen zur Unternehmenssteuerung bereitstellen

Diese 13 Lernfelder werden in berufsübergreifenden und berufsbezogenen Unterrichtsfächern vermittelt.

Der berufsübergreifende Lernbereich umfasst die Fächer:
  • Religionslehre,
  • Politik/Gesellschaftslehre,
  • Deutsch/Kommunikation.
Der berufsbezogene Lernbereich umfasst die Fächer:
  • Betriebswirtschaftliche Immobilienwirtschaft,
  • Kaufmännische Steuerung und Kontrolle,
  • Wirtschafts- und Berufsprozesse sowie
  • Englisch (fremdsprachliche Kommunikation).
Im Differenzierungsbereich wird das Fach Datenverarbeitung unterrichtet.

Außerdem bieten wir unseren Auszubildenden fremdsprachliche Zusatzangebote (KMK-Zertifikat) und laufende Projekte (z.B. Auslandspraktika) an. Besonderen Wert legen wir auf die Zusammenarbeit mit den ausbildenden Betrieben (Kooperation der Lernorte). Branchenkonferenzen, Exkursionen und Vortragsveranstaltungen führen wir regelmäßig durch.

Besonderen Wert legen wir auf die Zusammenarbeit mit den ausbildenden Betrieben (Kooperation der Lernorte). Branchenkonferenzen, Exkursionen und Vortragsveranstaltungen führen wir regelmäßig durch.

6 Prüfungen

Zwischenprüfung vor der Industrie- und Handelskammer
Nach ca. 1,5 Jahren Ausbildungszeit sind in einer Prüfungszeit von 120 Minuten ca. 60 Aufgaben zu lösen. Alle Aufgaben liegen in programmierter Form vor.

Abschlussprüfung vor der Industrie- und Handelskammer
Die schriftliche Prüfung wird abgelegt in
  • Immobilienwirtschaft,
    ca. 7 ungebundene Aufgaben, Prüfungszeit 180 Minuten,
  • Wirtschafts- und Sozialkunde,
    ca. 33 programmierte Aufgaben, Prüfungszeit 60 Minuten.
  • Kaufmännische Steuerung, Dokumentation,
    ca. 36 programmierte Aufgaben, Prüfungszeit 90 Minuten.
In beiden Fällen handelt es sich jeweils um eine bundeseinheitliche Prüfung. Der Termin wird von der IHK festgelegt und bekannt gegeben.

In der praktischen Prüfung sollen Sie als Auszubildende/Auszubildender zeigen, dass Sie in der Lage sind in einem Beratungsgespräch das aufgegebene Problem zu lösen. Zur Wahl stehen zwei Aufgaben aus einem Gebiet der von Ihnen festgelegten Wahlqualifikationen. Der Prüfling wählt eines aus und erhält eine Vorbereitungszeit von maximal 20 Minuten. Das anschließende Beratungs-/Teamgespräch dauert maximal 30 Minuten. Das Ergebnis muss mindestens mit einer ausreichenden Leistung bewertet werden, sonst ist die Prüfung nicht bestanden (Sperrfach).

7 Abschlüsse

Nach erfolgreich abgelegter Abschlussprüfung bei der Industrie- und Handelskammer stellt die Kammer ein Prüfungszeugnis aus, in dem das Bestehen der Prüfung bestätigt ist und die Prüfungsleistung in jedem der Prüfungsfächer und dem Gesamtergebnis als Punktzahl ausgewiesen wird.

Der Berufsschulabschluss wird unabhängig davon am Berufskolleg Volksgartenstraße erworben, wenn die Leistungen den Anforderungen in der Schule entsprechen.

Sie erwerben mit dem Berufsschulabschluss außerdem die Fachoberschulreife, wenn sie
  1. eine Berufsschulabschlussnote von mindestens 3,0 erreichen,
  2. die Berufsabschlussprüfung bestehen und
  3. die notwendigen Englischkenntnisse nachweisen.
Sofern Sie neben den vorgenannten Bedingungen eine Berufsschulabschlussnote von mindestens 2,5 erreichen, erwerben Sie darüber hinaus die Berechtigung zum Besuch der gymnasialen Oberstufe.

8 Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten

Als gelernter Immobilienkaufmann/gelernte Immobilienkauffrau stehen Ihnen vielfältige Möglichkeiten der Fort- und Weiterbildung zur Auswahl. Neben anerkannten Weiterbildungsmöglichkeiten wie z.B. zum Bausachverständigen, Gutachter oder Immobilienfachwirt, besteht u.a. die Möglichkeit des Studiums zum Immobilienbetriebswirt. Informieren Sie sich über die vielfältigen Angebote entweder direkt an den Fach- und Hochschulen oder bei den Industrie- und Handelskammern und/oder z.B. dem Immobilienverband Deutschland (IVD).

9 Nützliche Links

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